Kinesiologie

Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern „kinesis“ – die Bewegung und „logos“ – die Lehre zusammen. Kinesiologie ist somit eine Lehre von der Bewegung. Ihr Begründer ist der amerikanische Chiropraktiker Dr. George Goodheart, der seine Forschungsarbeiten 1964 unter dem Titel „Applied Kinesiology“ der Öffentlichkeit vorstellte. 

 

Die Kinesiologie beinhaltete ursprünglich Wissen aus der Chiropraktik, Akupressur, Ernährungswissenschaften und Bewegungslehre. Sie hat sich jedoch in den letzten 30 Jahren rasant entwickelt und ist zur Unterstützung in nahezu allen Lebensbereichen einsetzbar. Das Kursbuch des Institutes für Angewandte Kinesiologie (® Links) gibt einen sehr guten und aktuellen Überblick über die Vielfalt, Richtungen und Möglichkeiten, welche die Kinesiologie heute bietet. Ihre ursprünglichen Richtungen und Vertreter sind: 

 

Im gesundheitlichen Bereich: 

Für Mediziner und Personen mit Heilbefugnis: Angewandte Kinesiologie , Dr.George Goodheart 

Für medizinische Laien: Touch for Health, Dr. John F. Thie

                               Hyperton-X, Frank Mahony 

Im pädagogischen Bereich: Brain-Gym und Edu-K (Educational Kinesiology), Dr.Paul Dennison 

Im psychologischen Bereich: Three in One Concepts, Gordon Stokes und Daniel Whiteside

Entstehungsgeschichte der angewandten Kinesiologie

Dr. George Goodheart, Chiropraktiker aus Detroit, USA, machte aufgrund seiner Praxiserfahrung die Beobachtung, dass durch die Arbeit am hypotonen Muskel die Wirbelsäule wieder in die richtige Position gebracht werden kann. Sie wird, solange der Muskeltonus im Gleichgewicht zwischen Agonist und Antagonist ist, auch dort gehalten. Dies war eine neue Idee gegenüber der bisher bekannten Arbeit am verspannten Muskel.

Goodheart orientierte sich an den Muskelfunktionstests von Kendall und Kendall und korrigierte anfangs die hypotonen Muskeln mit Massage an deren Ansatz und Ursprung. Mit der Zeit baute er zur Stärkung der Muskeln Reflexpunkte und neurovaskuläre Punkte ein. Die neurolymphatischen Reflexpunkte wurden bereits in den 20er Jahren von Dr. Chapman entdeckt („Chapman-Reflexe“). Deren Massage wirkt sich günstig auf das Lymphsystem aus. Die Berührung der neurovaskulären Punkte (von Dr. Bennett in den 50er Jahren entdeckt) fördert die Durchblutung von bestimmten Organen. Die Meridian-Organ Beziehung war bereits bekannt. Die Chapman-Reflexe wurden in Verbindung mit den Meridianen gebracht.

Dr. Goodheart hatte die Idee, dass auch eine Muskel-Meridian Beziehung bestehen könnte. Um festzustellen, ob diese Vermutung bestätigt wird, haben er und einige Chiropraktiker Kollegen bewusst Organe aus der Balance gebracht und so herausgefunden, welche Muskeln damit zu tun hatten. Unabhängig voneinander kamen verschieden Arbeitsgruppen zu ähnlichen Ergebnissen: Wenn z.B. der Magen durch Eiswasser gereizt wurde, schaltete in den meisten Fällen der pectoralis major clavicularis ab, bei gereizten Augen oder unangenehmen Geräuschen schaltete der obere trapezius ab, usw.

Ab 1964 hielt George Goodheart Vorträge über dieses neu erworbene Wissen – eine Synthese aus Chiropraktik, Akupressur, Ernährungswissenschaften und Bewegungslehre.

Dr. John Thie aus Kalifornien, ebenfalls Chiropraktiker, besuchte einen dieser Vorträge und war von dieser neuen Idee begeistert – sie lernten sich kennen und beschlossen nach einiger Zeit, die von Goodheart entwickelte Methode in Kursen weiterzugeben. Zusammen mit anderen Chiropraktikern gründeten sie eine Faculty, die dieselben Lehrinhalte vermitteln wollte: sie nannte sich „College for Applied Kinesiology“ und, nachdem auch Mitglieder aus Australien und Neuseeland beitraten „International College of Applied Kinesiology“ (ICAK). John Thie war ihr erster Vorsitzender, organisierte Treffen und erstellte den Aufbau der Lehrinhalte.

1975 gründete John Thie zusammen mit den Chiropraktikern George Goodheart, Sheldon Deal und Fred Stoner die Touch-For-Health Foundation. Der erste Kinesiologie-Kongreß für Laien und Therapeuten fand 1975 statt. Drei Jahre später trennten sich die Therapeuten von den Laien und die Touch-For-Health Foundation wurde eine Organisation, d ie ihr Wissen ausschließlich an interessierte Laien weitergab. Die Gründungsmitglieder Goodheart, Deal und Stone unterstützten weiterhin die Arbeit von Dr. John Thie. Dieser blieb neben seiner Arbeit in der Touch-For-Health Foundation Gründungsmitglied im ICAK, das seit 1978 ausschließlich für Mediziner und Personen mit Heilbefugnis unterrichtet.

1990 haben John und Carry Thie die Touch-For-Health Foundation den Faculty Mitgliedern – die die Lehrerlaubnis für die Touch-For-Health Instructoren Workshops haben – als Erbe übergeben. Sie nennen sich heute „International Kinesiology College“ (IKC), der Sitz ist in Zürich. Das IKC erstellt die Touch-For-Health Lehrinhalte und handelt im Sinne von John und Carry Thie, die Ehrenmitglieder des IKC sind, entsprechend den ethischen Grundlagen zur Ausübung der Tätigkeit. Die ausgebildeten Touch-For-Health Lehrer sind verpflichtet, sich an die ethischen Grundlagen des IKC zu halten und entsprechend den vorgegebenen Lehrinhalten zu unterrichten.

Touch For Health wird heute in 55 Ländern unterrichtet, das Touch-For-Health Buch erschien in 16 Sprachen. Touch For Health war der Beginn der Laienbewegung im Bereich der Kinesiologie und Anstoß für viele andere Kinesiologie-Entwicklungen.

Ethische Grundlagen des International Kinesiology College (IKC)

Anwender von kinesiologischen Methoden sind Privat- oder Berufspersonen; diese zwei Aspekte sind nicht trennbar. Eine Berufsperson ist nicht nur bei der Arbeit professionell, sondern vertritt ihre Berufsgruppe sowohl in der Geschäftswelt als auch bei Freizeitaktivitäten. Ethik dient als Basis für Verantwortungssinn, für moralisches Verständnis und für ein Bewusstsein, das uns davon abhält, Schaden anzurichten.

Eine Kinesiologin/ein Kinesiologe des International Kinesiology College


Benutzt das ‚pädagogische Modell’ das heißt: es wird unterstützt, was in der Person vorhanden ist.
Stellt keine Diagnosen im medizinischen Sinn, verschreibt nichts und behandelt nicht, es sei denn, die entsprechende Befugnis ist vorhanden.
Glaubt an die sich regulierende Lebensenergie.
Sieht sich nur als Begleiter, der den Weg des Klienten unterstützt.
Ermöglicht bewusste Teilnahme und Entfaltung der Person.
Erreicht den erforderlichen Ausbildungsstandard und verpflichtet sich zur Selbsterfahrung und Weiterbildung.
Ist professionell im Umgang mit Klientinnen/Klienten und Kolleginnen/Kollegen.
Respektiert Vertraulichkeit.
Respektiert ihre/seine eigenen Grenzen und Möglichkeiten.
Respektiert die Menschenrechte.
Fokussiert nicht auf die Pathologie sondern auf das Potential.
Wertschätzt Qualität.
Respektiert die Wahl der Klientin/des Klienten.
Erkennt an, dass der Muskeltest eine Aussage ist, die Denken und Fühlen nicht ersetzt.
Erkennt an, dass der Muskeltest keine Entscheidung ist, sondern eine Grundlage für Entscheidungen darstellt.
Erkennt an, dass die Verantwortlichkeit vor, während und nach einer Balance bei der Klientin/dem Klienten liegt.
Lädt auf die Klientin/den Klienten weder Schuld noch Vorwurf ab.
Geht davon aus, dass die Energie der Person balanciert wird und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

(zusammengestellt von der TFH-Faculty, Garda, Oktober 1995)



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Werner Elsner
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